„Was das Schlimmste ist: es betrifft auch ganz arg unsere Kinder“

 

"Lärmfolter"

 

„Es geht durch Mark und Bein“

 

"Der Rhythmus ist das, was quält, und er ist immer hörbar."

 

"Der Schall drückt dann regelrecht auf die Ohren, fährt in die Magengrube"

 

Zitate von Anwohnern von Windkraftanlagen

 

 

 

Gesundheitsgefahr durch Tiefschall und Infraschall

Vorab: Zu diesem Thema kursieren leider Stellungnahmen und sogenannte Faktenpapiere, die wissenschaftlich unseriös sind.

 

Teils, weil sie willkürlich Aspekte herausgreifen, und andere wichtige Aspekte dafür weglassen. Teils, weil sie wissenschaftliche Ergebnisse nicht korrekt wiedergeben oder zusammen­fassen.

 

Betrachtet man die wissenschaftliche Literatur aber gründlich und ohne Scheuklappen, so wird klar, dass es mittlerweile viele gravierende Hinweise auf eine Schadwirkung durch Windkraftanlagen, speziell Großwindanlagen, gibt.

 

 

Bildquelle: Kollage der BI Rettet Tiefenbachs Wälder unter Verwendung von "Der Schrei" von Edvard Munch

 

Hörbarer Schall:

 

Windräder emittieren an- und abschwellende „Heultöne“ sowie „Impuls­töne“ 1, nach Angaben des Bundesamtes für Umweltschutz in besonderen Fällen bis in eine Entfernung von 3 – 5 km.2 Durch ihren pulsierend-rhythmischen Charakter haben solche Geräusche im Grundsatz ein besonderes Störungspotenzial, sie binden die Aufmerksam­keit3 und werden in einer Studie im Auftrag der Bundesländer als „besondere Stressoren“ bezeichnet.4

 

Anwohner beschreiben diese Töne unter anderem als „ Dauerstress “, vor allem die intervallmäßige pulsierende Rhythmik wird als extrem „ quälend “ beschrieben. 5

 

Durch stabile Atmosphärenschichtung in der Nacht kann die störende Qualität des Lärms – als impuls­­­artig wummerndes Geräusch - beträchtlich zunehmen.6

 

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge können Windparks signifikant die Schlafqualität 7, 8 und das mentale Wohl­befinden 9 der Anwohner beeinträchtigen.

 

 

Bildquelle: pixabay, Bearbeitung von uns

 

 

 

Tief- und Infraschall:

 

Windräder emittieren pulsierend-rhythmische Infra- und Tiefschallwellen. Die neuen Groß-Wind­räder emittieren wesentlich mehr und tieffrequenteren Schall als kleinere Windräder. 10

 

Eine neue Forschungsstudie  zeigt, dass sich der Infraschall von Windrädern deutlich vom natürlichen Infraschall unterscheidet: Infraschall von Windrädern enthält ein rhythmisch-pulsierendes Signal, das durch die Rotorpassage am Turm zustande kommt.11

 

Der Tief- und Infraschall von Windrädern wird nicht nur über die Luft, sondern auch über den Boden weitergeleitet.12

 

Schallwellen mit tiefen Frequenzen können sich –im Gegensatz zum hörbaren Schall - nahezu ungehindert über  große Entfernungen kilometerweit ausbreiten.13

 

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen umfassen die schädlichen Wirkungen von Infraschall die Bereiche Herz-Kreislaufsystem, Konzentration und Reaktionszeit, Gleichgewichtsorgane, das Nerven­system und die auditiven Sinnesorgane.14

 

Als typische Symptome werden beschrieben:

Schlafstörungen, Blutdruckanstieg, Konzentrationsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übelkeit, Panik, Tinnitus, Druckgefühl im Ohr, „Seekrankheit." 15

 

Ein  aktuelles australisches Forschungsprojekt ergab, dass das Auftreten der Symptome wie Kopf­schmerzen, Druckgefühl im Kopf, in den Ohren und der Brust, Ohrgeräusche  und Schweregefühl, die  bei Anwohnerfamilien von Windrädern auftraten, eindeutig mit dem Betrieb der Windräder korrelierte. Die gemessenen Infraschalldruckpegel in den Häusern lagen dabei unter der Hör- und Wahrnehmungsschwelle.16

 

Weitere wissenschaftliche Studien ergaben ebenfalls, dass Infraschall auch unter der Wahrnehmungs- und Hörschwelle Wirkungen auf das Gehirn 17,18, Innenohr und Gleichgewichtsorgan auslösen kann 19,20,21,22 . Das Innenohr reagiert bereits bei 60 dB bei 10 Hz. 23 Das lässt darauf schließen, dass durch die Schallpegel der Windräder eine unhörbare permanente Stimulation des Innenohrs erfolgen kann, die an das Gehirn weitergeleitet wird und Schadwirkungen entfalten kann.

 

Nach Modellberechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe emittiert ein knapp 200 m hohes Windrad der Marke Enercon 126 sogar noch in 5 km Entfernung bei seiner Eigenfrequenz (1,76 Hz) einen Schallpegel von 65 dB, bei 0,59 Hz sogar einen Pegel von 85 dB. 24 Dies würde demnach ausreichen, um u.a. über das Innenohr eine Wirkung auf den Organismus auszulösen.

 

Die Infraschall-Emissionen großer Anlagen erreichen erst nach ca. 20 km den Bereich des Hintergrund­rauschens. 25

 

 

 

 

_______________________________________________________________

Quellen - Kapitel Hörbarer Schall:

1 Windkraft und Immissionsschutz, Johannes Bohl, 2003

2 Bundesamt für Naturschutz, Empfehlungen zu naturschutzverträglichen Windkraftanlagen, 2000

3 Windkraft und Immissionsschutz, Johannes Bohl, http://www.ra-bohl.de/2003-2-Immissionsschutz.pdf

4 Mausfeld R., 1999:  Wissenschaftliche Studie zu Windkraftanlagen im Auftrag der Bundesländer, 1999, zit.n. http://www.ra-bohl.de/2003-2-Immissionsschutz.pdf

5 "Das Leben in der Nähe von Windrad-Riesen – ein Erfahrungsbericht.“ Angelika Kutschbach, 2011

6 Van den Berg G.P., 2004:  Do wind turbines produce significant low frequency sound levels? 11th International Meeting on Low Frequency Noise and Vibration and its Control Maastricht The Netherlands, 2004

7 Onakpoya I.J. et al., 2014: The effect of wind turbine noise on sleep and quality of life: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Environ Int. 2015, 1-9

8 Schmidt J.H. und M. Klokker, 2014: Health Effects Related to Wind Turbine Noise Exposure: A Systematic Review. PLOS One 9(12).

9 Nissenbaum A.M. et al., 2012:  Effects of industrial wind turbine noise on sleep and health, Noise & Health.

 

Quellen - Kapitel Infraschall:

1 Windkraft und Immissionsschutz, Johannes Bohl, http://www.ra-bohl.de/2003-2-Immissionsschutz.pdf

2Bundesamt für Naturschutz, Empfehlungen zu naturschutzverträglichen Windkraftanlagen, 2000

3 Windkraft und Immissionsschutz, Johannes Bohl, http://www.ra-bohl.de/2003-2-Immissionsschutz.pdf

4 Mausfeld R., 1999:  Wissenschaftliche Studie zu Windkraftanlagen im Auftrag der Bundesländer, 1999, zit.n. http://www.ra-bohl.de/2003-2-Immissionsschutz.pdf

5 Das Leben in der Nähe von Windrad-Riesen – ein Erfahrungsbericht.“ Angelika Kutschbach, 2011

6 Van den Berg G.P., 2004:  Do wind turbines produce significant low frequency sound levels? 11th International Meeting on Low Frequency Noise and Vibration and its Control Maastricht The Netherlands, 2004

7 Onakpoya I.J. et al., 2014: The effect of wind turbine noise on sleep and quality of life: A systematic review and meta-analysis of observational studies. Environ Int. 2015, 1-9

8 Schmidt J.H. und M. Klokker, 2014: Health Effects Related to Wind Turbine Noise Exposure: A Systematic Review. PLOS One 9(12).

9 Nissenbaum A.M. et al., 2012:  Effects of industrial wind turbine noise on sleep and health, Noise & Health.

10 Møller und Pedersen, 2010: Tieffrequenter Lärm von Windkraftanlagen, Abt. Akustik, Aalborg Universität, 2010

11 Cooper S. Acoustic Group. Results of Cape Bridgewater Acoustic Investigation, 2014, http://waubrafoundation.org.au/resources/cooper-s-acoustic-group-results-cape-bridgewater-acoustic-investigation/

12 Deutscher Ärztetag. http://www.aerzteblatt.de/download/files/2015/05/2015top6x.pdf

13 Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/377/dokumente/infraschall.pdf

14 Umweltbundesamt. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/texte_40_2014_ machbarkeitsstudie_zu_ wirkungen_von_infraschall.pdf

15 Ärzte für Immissionsschutz, Positionspapier zu Gesundheitsrisiken beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, 2015

16 Cooper, S. Acoustic Group. Results of Cape Bridgewater Acoustic Investigation, 2014, http://waubrafoundation.org.au/resources/cooper-s-acoustic-group-results-cape-bridgewater-acoustic-investigation/

17 Physikalisch-technische Bundesanstalt, Koch C., 2015: Kann man Infraschall und Ultraschall hören?  https://www.ptb.de/cms/service-seiten/news/forschungsnachricht.html?tx_news_pi1[news]=5654&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[day]=20&tx_news_pi1[month]=5&tx_news_pi1[year]=2015&cHash=5a0fc45147e34f0a3ec363fa9e37f6c1

18 Weiler E., Institut für Hirnforschung und angewandte Technologie GmbH, 2005: Auswirkungen einer subliminalen Beschallung mit einer Frequenz von 4 Hz, 8 Hz und 31,5 Hz auf die elektroenzephalographische Aktivität eines weiblichen Probanden.

19 Feldmann J. und Pitten F.A., 2004: Effects of low frequency noise on man - a case study, Noise & Health, 2004, 23-28

20 Salt, A.N., 2004: Acute Endolymphatic Hydrops Generated by Exposure of the Ear to Nontraumatic Low-Frequency Tones, Journal of the Association of Research in Otolaryngology, 203-214, 2004

21 Kugler K. et al., 2014: Low-frequency sound affects active micromechanics in the human inner ear, Royal Society Open Science.

22 Physikalisch-technische Bundesanstalt, Koch C., 2015: Kann man Infraschall und Ultraschall hören?  https://www.ptb.de/cms/service-seiten/news/forschungsnachricht.html?tx_news_pi1[news]=5654&tx_news_pi1[controller]=News&tx_news_pi1[action]=detail&tx_news_pi1[day]=20&tx_news_pi1[month]=5&tx_news_pi1[year]=2015&cHash=5a0fc45147e34f0a3ec363fa9e37f6c1

23 Salt A.N., Hullar T.E., 2010: Responses of the Ear to Low Frequency Sounds, Infrasound and Wind Turbines, Hearing Research 2010

24 Ceranna L., Seismological Central Observatory / Nuclear-Test-Ban Treaty, Federal Institute for Geosciences and Natural Resources (BGR) zit. n. Geldmacher K., Auswirkungen und Höhe der Infraschall-Emissionen durch Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von über 7 Megawatt im Vorranggebiet V4 Wetzen.

25 Ceranna L., 2009: Der unhörbare Lärm von Windkraftanlagen, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, http://www.bgr. bund.de /DE/Themen/Erdbeben-Gefaehrdungsanalysen/Seismologie/Downloads/infraschall_WKA.pdf;jsessionid= 831CA15321CB36995 CFD020AE47FB976.1_cid331?__blob=publicationFile&v=2